Zitate und Sprüche von Günter Wallraff

Zitate und Sprüche von Günter Wallraff

Hans Günter Wallraff (* 1. Oktober 1942 in Burscheid) ist ein deutscher investigativer Journalist und Schriftsteller.

Zitate und Sprüche über Günter Wallraff

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Momente, wo du auch nicht mehr weißt, was das ganze soll und ob's das überhaupt noch bringt. Ich sitz dann vollkommen verzweifelt vor irgendner Vorstellung in irgendner Stadt, in irgendner Garderobe und denk:

Das hat überhaupt keinen Sinn. Der Permafrost taut auf und die Polkappen schmelzen immer noch schneller als letztes Jahr prognostiziert. Und wir haben sechs mal so viel Plastik wie Plankton im Meer.
Es ist furchtbar.
Drei mal so viele Lobbyisten wie Politiker und Manager verdienen 300 mal so viel wie Angestellte. Die Neoliberalen und die Rassisten haben die Demokratie fest im Würgegriff.
Es ist furchtbar.
Urwälder werden abgeholzt. Die Kipppunkte sind doch sicherlich längst erreicht. Wir schaffen das nie. Für Fleischkonsum werden die abgeholzt. Die Leute essen Fleisch als gäb's keinen Morgen. Politiker machen Werbung mit Nackensteaks, statt mit solidarischer Landwirtschaft. Wir haben jetzt sogar Tierwohl-Label auf'm Kotelett. Wenn ein Kotelett jetzt Tierwohl-Label ist, dann sind wir ganz unten angekommen. Wenn die Wurst Tierwohl ist. Die Wissenschaft wird diffamiert wie zu Zeiten der Inquisition.
Es ist furchtbar.
Die Armen und die Frauen und die Schwulen, People of Color, Juden, Muslime... alle werden bedroht und verachtet. Halle und Hanau, Menschen werden ermordet.
Es ist furchtbar.
Unsere Kinderzimmer sind randvoll mit Einweg-Elektronik, überall liegen Elektroroller in der Gegend rum. Wir fliegen für 2,50 nach Lissabon übers Wochenende und mit dem Traumschiff in den letzten Fjord.
Es ist furchtbar.
Das ist nie zu schaffen. Kinder werden per Mausklick zu Tode gemobbt mittlerweile. Eltern und Lehrer sind verzweifelt. Jetzt wählen die Leute reflexartig auch noch Faschisten.
Es ist furchtbar.
Und ich denk, das geht nicht mehr, es ist vorbei.

Und dann sehe ich hier Holocaust-Überlebende, die seit Jahrzehnten von Schule zu Schule fahren und den Kindern und den Enkeln, mittlerweile den Urenkeln der Täter erklären, was damals passiert ist. Das ist ein so riesiger Liebesdienst an dieser Gesellschaft, das kann man gar nicht hoch genug bemessen. Und ich denk, wenn die den Glauben an diese Gesellschaft noch nicht verloren haben, wer bin ich, dass ich resigniere? Und dann zieh ich mir meinen Anzug an und gehe auf die Bühne.
Liebe Wer­be­agen­tur Jung von Matt,

bzgl. Eurer An­fra­ge, ob wir bei der ak­tu­el­len Bild -Kam­pa­gne mit­ma­chen wol­len:

Ich glaub, es hackt.

Die lau­fen­de Pla­kat -Ak­ti­on der Bild -Zeitung mit so­ge­nann­ten Testi­mo­ni­als, also ir­gend­wel­chem kom­men­tie­ren­dem Ge­seie­re (Auch kri­ti­schem! Hört, hört!) von so­ge­nann­ten Pro­mi­nen­ten (auch Kriti­schen! Oho!) ist das Per­fi­des­te, was mir seit lan­ger Zeit un­ter­ge­kom­men ist. Will hei­ßen: nach Euren Maß­stä­ben sicher eine ge­lun­ge­ne Ak­ti­on.

Sel­ten hat eine Wer­be­kam­pa­gne so geschickt mit der Dumm­heit auf allen Sei­ten ge­spielt. Da sind auf der einen Seite die Pro­mis, die sich den­ken: Hmm, die Bild­zei­tung, mal ehr­lich, das lesen schon wahn­sin­nig viele Leute, das wär schon schick... Aber ir­gend­wie geht das ei­gent­lich nicht, ne, weil ist ja irgend­wie unter mei­nem Ni­veau/ evil/ zu sicht­bar be­rech­nend... Und dann kommt ihr, liebe Agen­tur, und baut die­sen armen ge­spal­te­nen Pro­mi­nen­ten eine Brü­cke, eine wa­cke­li­ge, glit­schi­ge, aber hey, was soll's, auf der an­de­ren Seite liegt, sagen wir mal, eine Tüte Gummibär­chen. Ihr sagt jenen Pro­mis: wisst ihr was, ihr kriegt ein­fach kein Geld! Wir spen­den ein­fach ein biss­chen Kohle in eurem Namen, dann passt das schon, weil, wer spen­det, der kann kein Ego haben, ver­stehs­te? Und au­ßer­dem, pass auf, jetzt kommt's: ihr könnt sagen, WAS IHR WOLLT!

Und dann den­ken sich diese Pro­mis, im Rah­men ihrer Mög­lich­kei­ten, ir­gend­ei­ne pseu­do -dis­tan­zier­tes Ge­wäsch aus, irgend­was 'total Spitz­fin­di­ges', oder Clever- Un­ver­bind­li­ches, oder Überhebliches, oder... Und glau­ben, so kämen sie aus der Num­mer raus, ohne ihr Ge­sicht zu ver­lie­ren. Und haben trotzdem un­heim­lich viele sau­dum­me Men­schen er­reicht! Hurra.

Auf der an­de­ren Seite, das er­klärt sich von selbst, der Re­zi­pi­ent, der saudumme, der sich denkt: Mensch, diese Bild -Zei­tung, die traut sich was.

Und, die drit­te Seite: Ihr, liebe jungdyna­mi­sche Men­schen, die ihr, zumin­dest in einem sehr spe­zia­li­sier­ten Teil eures Ge­hirns, genau wisst, was ihr tut. Außer viel­leicht, wenn ihr auf die Idee kommt, 'Wir sind Hel­den' für die Kam­pa­gne an­zu­fra­gen, weil, mal ehrlich, das wäre doch total lus­tig, wenn aus­ge­rech­net die...

Das Pro­blem dabei: ich hab wahr­schein­lich mit der Hälf­te von euch stu­diert, und ich weiß, dass ihr im ers­ten Se­mes­ter lernt, dass das Me­di­um die Bot­schaft ist. Oder, noch mal an­ders ge­sagt, dass es kein 'Gutes im Schlech­ten' gibt. Das heißt: ich weiß, dass ihr wisst, und ich weiß, dass ihr drauf scheißt.

Die BILD -Zei­tung ist kein augenzwinkernd zu be­trach­ten­des Trash-Kul­tur­gut und kein harm­lo­ses 'Guilty Plea­su­re' für wohl­fri­sier­te Auf­stre­ber, keine wit­zi­ge so­zia­le Re­fe­renz und kein Li­fes­tyle-Zi­tat. Und schon gar nicht ist die Bild -Zei­tung das, als was ihr sie verkau­fen wollt: Hass­ge­lieb­tes, aber weitest­ge­hend harm­lo­ses In­ven­tar eines ei­gent­lich viel schlaue­ren Deutsch­lands.

Die Bild­zei­tung ist ein ge­fähr­li­ches politisches In­stru­ment - nicht nur ein stark ver­grö­ßern­des Fern­rohr in den Abgrund, son­dern ein bös­ar­ti­ges Wesen, das Deutsch­land nicht be­schreibt, son­dern macht. Mit einer Agenda.

In der Ge­fahr, dass ich mich wie­der­ho­le: ich glaub es hackt.

Mit höf­li­chen Grü­ßen,
Ju­dith Ho­lo­fer­nes
Ju­dith Ho­lo­fer­nes (Leadsängerin 'Wir sind Helden')
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